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Chronik der Diakoniestation Remseck

Es war im Jahre Null der Remsecker Zeitrechnung. Fünf Dörfer hatten sich zusammengetan und bildeten seit dem 1. Januar 1975 die vereinigte Gemeinde von Aldingen, Hochberg, Hochdorf, Neckargröningen und Neckarrems. Vieles war noch im Fluß damals: es gab einen Übergangsgemeinderat, es gab den vorläufigen Gemeindenamen „Aldingen am Neckar“, und der neu gewählte Bürgermeister Kuhn tat als Amtsverweser Dienst.

Zu ihm aufs Rathaus in Neckarrems begab sich nun an einem Junitag des Jahres 1975 Pfarrer Arnd Breuning aus Aldingen. Und er begann von einem Plan zu sprechen, den er sich zurechtgelegt hatte, den Plan einer Diakoniestation. Die Sache war nämlich so: Mit der häuslichen Krankenpflege lag es im argen. Genau genommen wurde sie nur noch in Aldingen praktiziert, dank eines Krankenpflegevereins, der noch zu Kaisers Zeiten gegründet worden war. Eine Schwäbisch Haller Schwester, Johanna Schmauder mit Namen, kümmerte sich seit 1966 um die Kranken in Aldingen, sie legte Verbände an, wusch sie, gab auch ein gutes Wort. Doch mit ihren 64 Jahren war die Schwester selbst in dem Alter, da andere sich spätestens zur Ruhe setzen. Außerdem: wie oft hätte man schon eine Familienpflegerin brauchen können, wenn Mütter verunglückten, krank wurden oder nur mal zur Kur gingen. Wer sollte chronisch Kranke pflegen, Behinderte, oder kranke Kinder berufstätiger Mütter?

Mit einem Wort: ambulante Krankenpflege mußte in allen fünf Ortsteilen der 16000-Einwohner-Gemeinde angeboten werden, und sie mußte Haus- und Familienpflege einschließen. Die Krankenkassen waren ja durchaus bereit, Pflegeaufwendungen wenigstens teilweise zu übernehmen. Dazu kam, daß die Stuttgarter Landesregierung drängte, alle sozialen Einrichtungen in den Gemeinden neu aufzubauen. Rund 70 Sozialstationen gab es bislang im Land, vier davon im Kreis Ludwigsburg.

Pfarrer Breuning rannte mit seiner Idee einer Diakoniestation offene Türen auf dem Rathaus ein. Nachdem Bürgermeister Kuhn am 30. Juni 1975 förmlich ins Amt eingesetzt war, nahm das Vorhaben sehr rasch Gestalt an. Alle fünf evangelischen Kirchengemeinden wollten sich in die Trägerschaft teilen, und die bürgerlicher Gemeinde war als Partner Nummer 6 dabei. Die anderen Konfessionen am Ort und die Wohlfahrtsverbände wollten sich beratend und helfend beteiligen. Alle aber waren sich darin einig, daß die neue Einrichtung nun nicht nur eine Sozialstation werden sollte, die Hilfe in Leibesnöten bot. Nein, im diakonischen Sinne sollte sie geführt sein, und sie sollte – wie Pfarrer Breuning es einmal ausdrückte – Trost auch in seelischer Bedrängnis geben.

So war es nur folgerichtig, daß man sich ans Diakonische Werk der Evangelischen Landeskirche wandte, um dort vor allem in juristischen Fragen Rat zu holen.

Starthilfe vom Pflegedienstförderverein

Schon in einer seiner ersten Sitzungen, genauer gesagt: am 6. Februar 1976, schloß der neu gewählte Gemeinderat mit den fünf evangelischen Kirchengemeinden einen Vertrag über die Errichtung der Diakoniestation. Zwei Drittel eines Defizits wollte die bürgerliche Gemeinde tragen, für das restliche Drittel sollten die Kirchengemeinden aufkommen. Mit der Gründung eines Pflegedienstfördervereins am 25. März 1976 gelang es die Lasten auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

Da die 435 Mitglieder des Krankenpflegevereins Aldingen geschlossen beigetreten waren und 151 Personen neu hinzukamen, zählte der Pflegedienstförderverein bereits bei seinem Start 586 Mitglieder. Den Vorsitz übernahm Bürgermeister Kuhn; ein Amt übrigens, das er bis heute innehat. Für ihre 30 DM Jahresbeitrag durften die Mitglieder in den Anfangsjahren die Dienste der Diakonieschwestern kostenlos in Anspruch nehmen.
Am 7. April 1976 schließlich folgte die Gründung der „Diakoniestation Aldingen “, und zwar als eingetragener Verein. Die laufenden Geschäfte besorgte der Vorstand, Vorsitzender wurde Pfarrer Breuning.
Als das Diakonissenmutterhaus in Schwäbisch Hall nun sah, daß in Remseck Nägel mit Köpfen gemacht wurden, da sicherte es der Diakoniestation zu, ab sofort zwei Schwestern zu stellen. Pünktlich zum 1. April 1976 war Margarete Willer zur Stelle, eine junge Verbandsschwester, deren Tätigkeitsfeld in Neckarrems, Neckargröningen und Hochberg lag. Von katholischer Seite kam Schwester Barbara Schlegel, auch sie eine ausgebildete Krankenschwester; als Halbtagskraft war sie zunächst nur für Hochdorf zuständig. Else Koch, gelernte Dorfhelferin, übernahm mit zwei Stunden täglich den Bereich der Hauspflege, und Schwester Johanna Schmauder sorgte sich wie eh und je um den Ortsteil Aldingen.
Barbara Pfeiffer aber, Vorstandsmitglied der Diakoniestation, hielt die Fäden in der Hand, sprich: sie hatte die Einsatzleitung, sie entschied über die Dringlichkeit der Anforderungen, und sie organisierte – wo es Not tat – die Nachbarschaftshilfe. Denn die sollte vor allem dann tätig werden, wenn es sich um langwierige Fälle handelte. Was die Haus- und Familienpflege betraf, so mußte man erst einmal mit falschen Vorstellungen aufräumen; Teppichklopfen oder Fensterputzen gehörte nicht gerade zu den Aufgaben der Familienhelferin, lesen wir daher in einem Merkblatt.
Vom ersten Tag an hatten die Schwestern alle Hände voll zu tun; doch dank des Bereitschaftsdienstes gab es auch freie Wochenenden.
In einer Dreizimmerwohnung „Am Ring“ – damals gerade neu gebaut – fand die Diakoniestation zunächst Obdach. Hilfsmittel und Geräte waren hier untergebracht, die zum unmittelbaren Einsatz benötigt wurden oder auch entleihbar waren: Krankenbett samt Hirsesack und Wasserkissen, Nachtstuhl, Kopfwaschgarnitur oder Hoyer-Lifter.
Doch was nützen all die schönen Dinge, wenn man sie nicht einzusetzen versteht? Also rief die Diakoniestation im Herbst 1976 zu einem Seminar für häusliche Kranken- und Altenpflege. Und es es kamen so viele, daß der Kurs im Frühjahr wiederholt werden mußte. Krankenbeobachtung, Krankenpflegegeräte, Erste Hilfe, Pflege und Umgang mit alten Menschen, helfendes Gespräch mit Kranken: das waren nur einige Themen jener 15 Seminarabende.
Und dann kam das Jahresfest, jenes erste Jahresfest am 10. März 1976 in Hochberg. Die überlieferten Daten sind heute noch beeindruckend: trotz schönstem Frühlingswetter machten sich 250 "Großaldinger" auf zur Bürgerhalle, und ihnen standen 88 selbstgebackene Kuchen gegenüber.
Der Pflegediensförderverein organisierte Zubringerbusse, so daß die Diakoniestation mit ihren Jahresfesten ein ums andere mal wechselnd in alle Ortsteile gehen konnte. Diese legten nun ihren Ehrgeiz darein, alles aufs beste zu arrangieren. Festredner waren zu Gast, unter ihnen auch fast alle Pfarrer, die in Funk und Fernsehen einen Namen hatten: Ottheinrich Knödler, Johannes Kuhn, Josef Graf Adelmann und Rolf Steinhilper.

Jahresfest mit Fernsehpfarrer und 88 Kuchen

Doch kehren wir zurück ins Jahr 1977. Der Altenbesuchsdienst spielte sich in allen fünf Ortsteilen ein, und vom 16. Mai 1977 an rollte täglich Essen auf Rädern ins Haus. Weil das Evangelische Kinderheim Hochdorf unlängst eine neue Kücheneinrichtung erhalten hatte, konnten die Mahlzeiten von Anfang an dort zubereitet werden, inklusive Schon- und Diätkost.
Die Schwestern selbst erhielten im Mai 1977 Verstärkung: Schwester Marianne Wittel übernahm als Teilzeitkraft den Ortsteil Hochberg, die Neckargröninger und Neckarremser hatten Schwester Marianne fortan für sich allein. leider nicht allzu lange, denn schon im Juli 1977 verabschiedete sich Margarete Willer, um in die Mission nach Südamerika zu gehen. Dafür kam Schwester Gerlinde Krockenberger. Ein Jahr später verließ Brigitte Nitsch-Hübner die Diakoniestation; von Beginn an hatte sie die Verwaltung aufgebaut. Nach ihr führte Monika Rothe die Geschäfte, arbeitete den Papierkrieg auf, was draussen an vorderster Front geleistet wurde. So hatten die Schwestern in Remseck stets beide Hände frei für die Pflege. Dass es mit der Diakoniestation aufwärts ging, zeigte sich allein schon an ihrem Fuhrpark. Den ersten PKW, im August 1976 angeschafft, fuhr Schwester Margarete; schließlich hatte sie ja anfangs drei Ortsteile zu versorgen. 1978 stiegen auch die Schwestern Marianne Wittel und Barbara Schlegel vom Fahrrad aufs Auto um: dieses war der Dienstwagen Nummer zwei. Weil 1979 mehr als 18.000 DM an Spenden eingingen, erhielt nun auch der Essensdienst und die Familienpflege je ein Fahrzeug. Rot-weiße Aufkleber an den Türen signalisierten den Remseckern, dass diese vier Wagen für sie unterwegs waren.
Bereits im Mai 1976 hatte der Pflegedienstföderverein sein 1000stes Mitglied begrüßt, drei Jahre später waren es genau 500 mehr, und nochmals vier Jahre später - im März 1983- war das zweite Tausend voll. Rechnete man die Familienangehörigen der Beitragszahler hinzu, so war nun jeder dritte Remsecker Mitglied im Pflegedienstförderverein. Der gehörte damit zu den Besten seiner Art in dem ganzen Land. Ein Verdienst übrigens, das sich in erster Linie Bürgermeister Kuhn als Vorsitzender zuschreiben durfte. Und daß der Diakoniestation finanziell so gut über die Runden kam, war nicht zuletzt dieser Erfolgsgeschichte namens Pflegedienstförderverein zu verdanken. Hier wurde deutlich, wie sehr die Remsecker sich die Sache der Diakoniestation zu eigen gemacht hatten. Freilich, nicht immer konnte es so eine großartige Geste sein wie im Falle der Geschwister Wildermuth aus Hochberg: 1978 vermachten sie der Diakoniestation Remseck ein komplettes Anwesen. Auch sonst gingen immer wieder respektable Beträge ein; schließlich war seit September 1977 ein Spendenkonto eingerichtet. Remsecks Samariter blieben nicht länger im Abseits. Mitten in den Ort, ins  alte Neckarremser Rathaus ziehen sie im Frühjahr 1979. Der prächtige Fachwerkbau, ein Blickfang in der Dorfstraße, bietet Platz für Verwaltungsräume und Besprechungszimmer, auch ein Bad mit Spezialwanne gibt es hier. Unten, im Feuerspritzenmagazin, lagern Krankenbetten, Rollstühle, Hebegeräte und viele andere Hilfsmittel. Und im ersten Stock, wo einst die Neckarremser Schultheißen residierten, wird jetzt häusliche Alten- und Krankenpflege gelehrt. Ja, ein ganzes Kursprogramm ist da geboten: Vorträge, Atemgymnastik und Entspannungsübungen, Lehrgänge in Erster Hilfe, und - ein Dauerbrenner bis heute - Gymnastik bei Bandscheibenbeschwerden. Medizinische Fußpflege ist seit 1980 vierwöchentlich zu haben. Eine Tee- und Kaffeestube öffnet im Januar 1980, zwei Jahre später bildet sich daraus eine Handarbeitsgruppe. Ernährungsgruppen, Stillgruppen, ein Säuglingspflegekurs, kurz: es tut sich etwas im Haus der Diakonie. Doch damit sind wir der Zeit schon wieder vorausgeeilt. Denn mittlerweile war eine erste Etappe in der Geschichte unserer Station zu Ende gegangen. Pfarrer Breuning verließ 1980 Aldingen; das Amt des Vorsitzenden übernahm sein Hochberger Kollege, Pfarrer Eberhard Eichin. Ende 1981 ging Schwester Johanna Schmauder - 70 Jahre alt - in den Ruhestand; gerade noch rechtzeitig vor Einführung der Helmpflicht für Mopedfahrer, wie Bürgermeister Kuhn damals liebenswürdig-schelmisch bemerkte. "Der Dienst bleibt derselbe, auch wenn die Personen wechseln", sagte Schwester Johanna ihren Remseckern zum Abschied. Ja, auch die Neckargröninger und Neckarremser  hatten 1980 Schwester Gerlinde lebewohl sagen müssen. Als die Diakoniestation 1982 dann ihre fünfte Schwester erhielt, hatte zum ersten Mal jeder Remsecker Ortsteil "seine" Schwester: in Aldingen tat Ursula Schilling Dienst, in Neckargröningen arbeitete Judit Graf, und Iris Hettler versorgte Neckarrems. Für Hochberg war nach wie vor Marianne Wittel zuständig, und für Hochdorf Barbara Schlegel, die seit Juli 1982 zudem die Pflegedienstleitung innehatte. In der Verwaltung schied 1982 Monika Rothe aus, ein Jahr später auch Heidi Greiner. Im Mai 1983 übernahm Roswitha Nikischin die Amtsgeschäfte. Als Diplom-Sozialpädagogin war sie eine ideale Ergänzung des Diakonieteams, und sie hatte ein volles Programm zu bewältigen: Statistiken aller Art, dazu Abrechnungen mit Krankenkassen, Patienten, Ämtern und diakonischen Einrichtungen. Neben der Verwaltungstätigkeit hatte sich mittlerweile noch ein zweiter Schwerpunkt herausgebildet: die Beratung und die Vermittlung auch überörtlicher Dienste und Hilfen; nicht zu vergessen die Einsatzleitung in der Haus- und Familienpflege. Oft stand das Telefon nicht still, und die Besucher im "Alten Rathaus" gaben sich die Klinke in die Hand. Doch auch im pflegerischen Bereich wurde die Dinge immer anspruchsvoller. Greifen wir aus dem Jahresbericht von 1984 nur ein paar Zahlen heraus: 133 Patienten wurden damals betreut. Die fünf Schwestern führten bei knapp 12.000  Hausbesuchen exakt 15.703 ärztlich angeordnete Maßnahmen aus, als da sind: Verbände erneuern, Injektionen geben, Einreibungen vornehmen oder Medikamente verabreichen. Dazu kamen 8.260 pflegerische Maßnahmen: Bettlägerige betreuen, beim Waschen, Baden und Betten helfen.

Erfolgszahlen, die für sich sprechen

Nicht erfasst ist, was die Schwestern an persönlicher Lebenshilfe ihren Patienten mitgegeben haben: durch aufmunternde Worte, durch Mitbeten, oder einfach durch stilles Dabeisein. Familienpflegerin Else Koch war in jenem Jahr 1984 mit 7 Einsätzen 12 Monate lang ausgebucht. Ihr standen 16 Nachbarschaftshelferinnen zur Seite, die in weiteren 25 Einsätzen nahezu 2.000 Stunden leisteten. Im blauen Diakonieauto lieferten die Zivildienstleistenden des Kinderheims Hochdorf fast 13.000 Essen auf 55 Mittagstische. Krankenbetten wurden verliehen und ins Haus gebracht, Krankenlifter, Rollstühle, Nachtstühle und viel anderes Gerät. Weil wir schon bei den Zahlen sind: nicht nur die Hilfeleistungen stiegen von Jahr zu Jahr, sondern ebenso die Kosten. Von 1980 bis 1986 verdoppelten sich die Ausgaben auf 320.000 DM. Freilich, dank immer neuer Werbeaktionen legte der Pflegedienstförderverein weiterhin zu. 1988 begrüßte er das 2.500-ste Mitglied. Bis 1990 brachte diese Solidargemeinschaft rund eine Million Mark auf, so das die Diakoniestation Remseck Ende der 80er Jahre personell noch recht gut ausgestattet war. Sechs Schwestern taten ihren Dienst, die vier Vollzeitstellen ausfüllten. Dazu kam seit 1989 ein Zivildienstleistender, der sich auch zur Pflege brauchen ließ, und die Familienpflegerin war jetzt zu 50 % beschäftigt. Den Essensdienst eingerechnet kamen acht PKWs zum Einsatz. Dies war, wie gesagt, der Stand des Jahres 1988, als Pfarrer Eichin Remseck verließ und Pfarrer Volkhard Löchner den Vorsitz übernahm. Wenig später folgte auch der Stabwechsel in der Geschäftsführung: Jachim Hessler, seines Zeichens Diplomsozialarbeiter, löste Roswitha Nikischin ab. Eben jetzt begann die Zeit der Kostendämpfungsmaßnahmen im Gesundheitswesen. Die Folge: Patienten verließen immer früher das Krankenhaus und wurden solchermaßen ein Fall für die ambulante Pflege. Immer weiter gekürzte Zuschüsse verschärften die Lage. Das "Paradepferd des Landes", wie ein Politiker die Diakoniestation noch vor kurzem genannt hatte, war am Ende seiner Kräfte. Auch in Remseck stiegen die Pflegeleistungen drastisch an. Waren 1988 noch 148 Patienten betreut worden, so lag die Zahl 1994 bereits bei 207, also um 40 % höher. Fast genau so schnell nahm die Zahl der Hausbesuche zu, nämlich von 12.664  auf 17.482. Seit 1990 waren auch immer mehr Schwerpflegebedürftige zu versorgen; ihr Anteil betrug durchschnittlich 32 %. Die Zeit reichte nun kaum mehr für ein kurzes Gespräch mit dem Kranken, und dabei hatte sich doch gerade die Diakoniestation seelsorgerlich geprägte Betreuung auf ihre Fahnen geschrieben. Entlastung brachte - wir sagten es schon - eine Zivildienststelle ab November 1989. Aushilfsschwestern zunächst, seit 1990 dann zwei zusätzliche, zu 50 % beschäftige Schwestern sollten Spitzenbelastungen auffangen und Fehlzeiten überbrücken. Schwester Barbara Schlegel wurde jetzt ganz für die Pflegedienstleitung freigestellt. Per elektronischer Datenverarbeitung ließ sich die immer weiter ausufernde Verwaltungstätigkeit ab Juni 1989 zeitsparender erledigen. Stets verzweigter wurden auch die Hilfen, die sich unterm Dach der Diakoniestation versammelten. Ein Gesprächskreis für pflegende Angehörige traf sich seit 1989 im Haus an der Dorfstraße, und eine Fortbildungsveranstaltung führte 150 Nachbarschaftshelferinnen zusammen. Im Gefolge des Gesundheitsreformgesetzes hatte das Land 1991 eine Konzeption zur "Neuordnung der ambulanten Hilfe" vorgelegt. Dort war unter anderem vorgesehen, alle 380 Diakonie- und Sozialstationen personell und organisatorisch besser auszustatten.

Im Zeichen der Pflegeversicherung

Angesichts der Personalsituation in den Pflegeberufen war das leichter gesagt als getan. Immerhin gelang es, 1991 und 1992 je eine Altenpflegerin für das Team der Diakoniestation zu gewinnen. Auch eine zweite Zivildienststelle brachte etwas Luft in die Dienstpläne. Die Initiative der Landesregierung verlangte indessen auch die Gründung eines örtlichen Hilfeverbundes und einer "Informations-, Anlauf- und Vermittlungsstelle" (IAV). In der "Arbeitsgemeinschaft ambulanter Dienst" haben sich daher seit Oktober 1991 Diakoniestation, Arbeiterwohlfahrt, DRK, Arbeitersamariterbund, Gemeinde, Ärzteschaft und Heilberufe zusammengefunden. Die IAV wiederum - getragen in erster Linie von der Diakoniestation - berät bei der Suche nach geeigneten Hilfsangeboten, sind doch die rechtlichen und finanziellen Regelungen mittlerweile kaum noch überschaubar. Die Eröffnung eines Kleeblatt-Pflegeheims in Aldingen mit 24 Plätzen und 12 betreuten Mietwohnungen 1994 verschaffte der Diakoniestation keine nachhaltige Entlastung. Schon gegen Jahresende betreute sie wieder so viele Patienten wie nie zuvor. Gleichzeitig strich der Landkreis Ludwigsburg seinen Zuschuss für Pflegekräfte. Der Beitrag zum Pflegedienstförderverein, auf 50 DM erhöht, half diese Finanzlücke zu schließen. 1995 verabschiedete sich Else Koch, Familienpflegerin der ersten Stunde. Schwester Marianne Wittel, auch sie seit 1977 dabei, ging von Bord. Schwester Judith Graf verunglückte auf einer Urlaubsreise.  Aber nicht nur wegen der insgesamt 15 personellen Veränderungen war dieses Jahr 1995 das schwierigste überhaupt für die Diakoniestation. Die erste Stufe des Pflegeversicherungsgesetzes, am 01. April in Kraft getreten, krempelte die Finanzierungsstruktur völlig um. Patienten und Angehörige waren verunsichert, suchten Rat und Hilfe bei der Diakoniestation und ihrer IAV-Stelle. Das Gesetz hatte hohe Erwartungen gesetzt, und tatsächlich standen ja von nun an vielen Pflegebedürftigen höhere Leistungen zu. Auf die Diakoniestation kam zunächst ein erweiteter Personalbedarf zu, sprich: höhere Ausgaben. So fordert etwa das Pflegeversicherungsgesetz eine Versorgung rund um die Uhr. Also muss von 19 bis 7 Uhr stets eine Nachtbereitschaft erreichbar sein. Die Weihnachtsaktion der Ludwigsburger Kreiszeitung sorgte hier für die nötige Anschubfinanzierung. Auf der anderen Seite kürzte die öffentliche Hand ihre Zuschüsse drastisch oder strich sie ganz. Dem standen nun freilich bedeutend höhere Ersätze gegenüber, die mit den Pflegekassen ausgehandelt waren. Als zum Jahresende 1995 Bilanz gezogen wurde, da sah es allen Befürchtungen zum Trotz gar nicht so übel aus: Gewinne hatte die Diakoniestation zwar nicht erwirtschaftet, doch konnte sie wenigstens ein ausgeglichenes Rechnungsergebnis vorweisen. Mit der Tagespflege, gleich neben dem Kleeblattheim im Ortsteil Aldingen erbaut, komplettierte die Diakoniestation ihr Betreuungsangebot. Seit den 01. Juli 1996 bietet diese teilstationäre Einrichtung Platz für 15 Tagesgäste. Remseck hat damit - was die Altenhilfe betrifft - ein beispielhaftes Netz geknüpft. Ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgung sowie betreutes Wohnung bilden einen Verbund. Für Klaus Hägele, Geschäftsführer seit 1997, geht es nun darum, den eigentlichen Anspruch von Diakonie auch weiterhin zu vertreten. Und das heißt: Hilfe für Leib und Seele zugeben, den Menschen auch in Zeiten von Pflegestufen und Leistungskatalogen nicht auf seine medizinische Bedürftigkeit zu reduzieren.

Eduard Theiner, Archivat

 

1976

Gründung der Diakoniestation Remseck

Gründungsmitglieder:
Bürgermeister Kuhn
Pfarrer Breuning, Aldingen
Pfarrer Eichin, Hochberg
Pfarrer Fritz, Hochdorf
Pfarrer Jaanus, Neckargröningen
Pfarrer Mantzel, Neckarrems

 

 

Gründung des Pflegedienstfördervereins mit 568 Mitgliedern

Vorsitz Bürgermeister Peter Kuhn

 

 

 

 

 

 

 

Schwester Margarete erhält  ersten PKW 

 

 

 

 

 

 

Dreizimmerwohnung in Neckarrems
Erstes Domizil der Diakoniestation

 

 

 

 

 

 

Erstes Jahresfest der Diakoniestation in Hochberg

 

 

 

 

 

1000 Mitglieder im Pflegedienstförderverein

  

 

1977

Erste Auslieferung von Essen auf Rädern

 

 

 

 

1500. Mitglied Pflegedienstföderverein

1978

Vermächtnis Geschwister Wildermuth

1979

Umzug der Diakoniestation ins Alte Rathaus von Neckarrems

 

1980

Pfarrer Eberhard Eichin neuer Vorsitzender der Diakoniestation

1981

Schwester Johanna geht in den Ruhestand

1984

133 Patienten werden betreut bei 12.000 Hausbesuchen

 

13.000 Essen von Essen auf Rädern

1988

2.500. Mitglied im Pflegedienstförderverein

Pfarrer Volkhard Löchner wird Vorsitzender der Doakoniestation

1989

Erster Zivildienstleistender tritt seinen Dienst an

Einrichtung der EDV

1991

Einrichtung der Informations-, Anlauf- und Vermittlungsstelle (IAV) in der Diakoniestation

1994

Eröffnung Kleeblatt-Pflegeheim in Aldingen

1995

Einführung der Pflegeversicherung

1996

1. Juli 1996 Eröffnung der Tagespflege in Aldingen